Betreuungsrealität

Schon lange nichts mehr geschrieben, aber jetzt muss gerade mal ganz viel aus meinem Kopf raus.

Auslöser ist unser Kindergarten. Unsere Kinder lieben ihn, wir fühlen sie dort gut aufgehoben*, aber das System dahinter ist einfach krank. Es wird an allen Ecken und Ende gespart und das letztendlich auf den Rücken der Eltern, aber fangen wir mal dort an, wo es anfing:

Gestern beim Abholen wurde verkündet, dass die nächsten 2 Tage je eine Krippen- und eine Elementar-Gruppe geschlossen wird und nur noch Notbetrieb stattfindet für Kinder die nicht anderweitig betreut werden können. Abgestimmt mit dem Kreis.

Ich ging einmal im Kopf die nächsten 2 Tage durch und sagte erstmal zu, dass unsere beiden zu Hause bleiben. Die Leitung hatte schon ein arg schlechtes Gewissen, weil es nicht das erste Mal war, dass wir als Familie zurückstecken weil wir es können.

Grund für den Notbetrieb ist der Krankenstand der so hoch ist, dass der Betreuungsschlüssel überhaupt nicht mehr eingehalten werden konnte, 2 Tage haben sie es gemacht, aber weiter wollte es keiner riskieren.

Grund für den hohen Krankenstand ist die extrem dünne Personaldecke. Bei 9 fest angestellten Erziehern kann man sich leicht ausrechnen, dass ständig mindestens einer Urlaub hat und 1-2 Personen krank sind. Bleiben also 6 Leute die 56 Kinder wuppen. Jetzt in der Winterzeit ist dieses wacklige Konstrukt natürlich noch fragiler und ich frage mich, wie viele Tage Notbetrieb wir bis Ende März noch erleben werden. Nicht mit einrechnet ist eine junge Frau die Ihr freiwilliges soziales Jahr macht und eine Langzeitpraktikantin. Ohne die sähe es noch schlimmer aus. Die Stadt hält die Personalkosten der KiTa übrigens für sehr hoch. Ach ja und ein Erzieher hat gerade zum Ende des Jahres gekündigt.

Aber nicht nur das Personal ist der Stadt zu teuer, auch eine vernünftige Heizungswartung bekommen sie (als Bauherr) nicht hin. Bereits im letzten Winter fiel die Luftfeuchtigkeit auf unter 20%. Richtig gut für die Atemwege der Angestellten und Kinder, nicht? Auch schön waren die Legionellen vor einigen Wochen die sich der Kindergarten einhandelte weil man die Wassertemperatur absenken musste, weil die Stadt sich den Verbrühungsschutz an den Wasserhähnen gespart hatte. Hört man mich mit dem Kopf schütteln?

Als ich dann heute so überschlug, was für einen KiTa-Beitrag wir wohl an so einem Tag in den Sand setzen wurde mir ganz anders. Schließzeiten und Feiertage raus gerechnet könnten meine Kinder dieses Jahr 217 Tage in der KiTa sein. Das macht dann pro Kind etwa 20 Euro KiTa-Gebühr pro Tag und Kind. Heute haben wir also 40€ bezahlt und nichts dafür bekommen. Rechne ich dann noch dagegen, wieviel Stunden ich heute nicht arbeiten konnte, reden wir hier schnell von insgesamt mehr als 100€ pro Tag. WTF?! Ich rechne jetzt besser nicht weiter was mit einem Ganztagesplatz und einer 30-Stunden-Woche rauskommt, den bekommen wir ja gerade eh nicht.

Als Kaufmannstochter war mein Gedanke gestern, dann kann ich mir ja die KiTa-Gebühren für heute zurückholen. Nein. Kann ich nicht. Ist laut Vertrag ausgeschlossen. Jegliche Erstattung.

Die Stadt spart, die Eltern zahlen. Super Konzept oder? könnte die Stadt vielleicht verkaufen. Oder noch mehr sparen. Die Eltern zahlen es ja.

* bis auf vielleicht den amüsanten Vorschlag man sollte den Kindern auch außerhalb von Schließzeiten Ferien ermöglichen, ich lache immer noch. 5 Wochen Schließzeit. Ich habe 6 Wochen Urlaub. Urlaub mit dem Ehepartner wird eh überbewertet.

ohne Worte

Gestern habe ich 2.0 in der 4. KiTa angemeldet. Und dabei habe ich mich mich ehrlich gefragt, ob ein Zahnarztbesuch nicht schöner gewesen wäre. Ich fühlte mich reichlich unerwünscht und störend.

Ich kann ja verstehen, dass eine KiTa-Leitung frustriert ist, weil sie nur den Mangel an Plätzen verwalten kann. Aber das muss man ja nicht an den Eltern auslassen, die man zur Anmeldung persönlich antanzen lässt. Die können doch auch nichts dafür. Und böse zugezogene sind wir auch nicht, ich war selber dort im Kindergarten.

Wie froh bin ich da gerade über die nette Leitung in unserer KiTa. Das habe ich ihr heute dann auch gleich mal gesagt und geklärt, wie wir unsere Chancen maximieren können beide Kinder nächsten Sommer dort unterzubringen.

Mein Arbeitgeber muss mir meine Arbeitszeit so bescheinigen, dass ich einen Berechtigungsschein für 7 Stunden bekomme. Damit können wir dann einen Platz mit 6 oder 7 Stunden nehmen und haben damit weitaus größere Chancen auf einen Platz. Das gilt dann auch nicht nur für die jetzige KiTa, sondern auch für die Montessori-Krippe.

Bescheinigen müsste mir mein Arbeitgeber dann z.B. 2x 45 Minuten Fahrzeit, 5 Stunden Arbeit, 30 Minuten Pause. Hoffen wir mal, dass das so klappt.

Steine

So langsam fallen mir die Steine vom Herzen, die Krippeneingewöhnung läuft endlich.

Am Montag kam quasi der Durchbruch. Ich hatte mit dem Hühnchen abgemacht, dass ich noch mit rein komme, wir mit den Bällen spielen und ich dann Tschüss sage. So haben wir es dann auch gemacht und es gab nur ganz kurz Tränen beim Rausgehen, als ich die Schuhe angezogen hatte, war es schon vorbei.

An diesem Tag hat sie sich dann auch die andere Erzieherin ausgesucht. Eigentlich sollen die Kinder immer von ihrer Erzieherin in Empfang genommen werden, aber wenn die erste willkürlich Zuteilung nicht passt, wird eben getauscht.

Gestern gab es dann schon keine Tränen mehr, heute auch nicht und sie blieb 2 volle Stunden. Morgen werden es dann 2,5, Freitag vielleicht schon 3. Nächste Woche könnten wir dann die 4 vollen Stunden erreicht haben.

Ich bin aber gespannt, wie sich die Ankunft von 2.0 auf die ganze Geschichte auswirkt, bzw. wie es allgemein läuft. Es bleibt also spannend hier im Haus.

Etwas ernüchtert

Die Krippeneingewöhnung läuft mies. Und genau das kann ich gerade nicht gebrauchen.

Montag konnte ich schon für einige Minuten vor die Tür gehen, Dienstag für ne Stunde weg bleiben. Mittwoch musste ich das heulende Kind abholen. Heute ließ ich ein heulendes Kind da. Und musste es nach einer halben Stunde wieder erlösen, auch wenn sie sich beruhigt hatte.

Über die Gründe können wir nur rätseln. Es ist wohl ein Zusammenspiel aus der nahenden Geburt, einem schlechten Timing und einer unsicheren Erzieherin.

Wenn wir gegen kurz nach 10 ankommen, geht gerade ein Kind. Das ist natürlich schonmal etwas doof anzusehen für das Hühnchen. Dann wird gleichzeitig auch noch ein jüngeres Kind zum Schlafen hingelegt. Würden wir etwas später kommen um den auszuweichen, würde aber kurz danach das Essen auf dem Tisch stehen, also keine Zeit dort erstmal im Spiel anzukommen. Früher kommen ist auch keine Option, danach habe ich schon gefragt, da wären zu viele Kinder da.

Fragt man das Hühnchen warum sie weint, sagt sie, dass dann Mama kommt. Kluges Kind. Klappt im Gegensatz zur Spielgruppe aber auch wirklich, denn das mit dem Ablenken funktioniert dort nicht so wirklich.

Ich hoffe hoffe hoffe, dass es morgen oder spätestens nächste Woche besser wird. Sonst sehe ich eine sehr lange zähe Zeit vor uns. Denn so mit frischem Geschwisterkind wird die Trennung von mir ja nicht besser.

Ein klein wenig verliebt

Gestern waren das Hühnchen und ich zum Einzelgespräch in der Krippe. Am Wochenende hatten die Leiterin und die Erzieher die Gruppenräume eingeräumt (bis spät am Abend, wir können ja vom Kinderzimmerfenster aus das Gebäude sehen) und so kamen wir in den Genuss alles als erstes zu bespielen, denn die Termine vor uns hatten die Eltern mit noch kleineren Kindern.

Das Hühnchen war begeistert, am meisten gefielen ihr die Ostheimer-Figuren, der kleine Herd und die Puppen. Ich hatte vermutet dass eher das Pikler-Material gefallen würde, aber so kann man sich irren.

Wir sprachen über die Eingewöhnung, das Essen, die Windeln und noch andere Kleinigkeiten (ja auch Globulis). Und über die hohe Selbstständigkeit des Hühnchens. Nebenbei hörte ich zwar immer wieder „mittommen!“, weil alleine spielen ja auch doof ist, am Ende der Stunde wurde dann aber auch gleich versucht ob die Erzieherinnen nicht vielleicht auch zum mitspielen zu bewegen waren.

Und am Ende wollte mein Kind nicht nach Hause. Und ich eigentlich auch nicht, denn ich bin ehrlich gesagt ein wenig verliebt in die Kita. Da steckt echt viel Herzblut dahinter, das merkt man.

Freitag sind wir nochmal eine Stunde da, alle Eltern und Kinder zum Kennenlernen. Und Montag geht’s dann los mit der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell. Ich bin gespannt, glaube aber, dass die erste Trennung am Donnerstag überhaupt kein Problem sein wird.

Plötzlich Waldorfmuddi

Wir.haben.einen.Krippenplatz!!!!!!!1111111einself

Dieser Artikel liegt jetzt schon einige Wochen hier rum, jetzt endlich kann ich ihn, wo ich quasi nicht mehr dran geglaubt habe, doch veröffentlichen.

Was ich beim letzten Artikel über einen möglichen Krippenplatz noch nicht schrieb, ist was für ein Konzept die Krippe bzw. der Kindergarten hat. Der Titel verrät es schon, der Träger, ein heilpädagogisches Förderzentrum, arbeitet nach dem Konzept der Waldorf-Pädagogik.

Jeder der uns näher kennt, wird sich vielleicht wundern, sind wir doch sonst eher gar nicht in dieser Richtung unterwegs. Keine Homöopathie, Kind durchgeimpft, Möbel von Ikea, Kind darf Fernsehen …

Joah. Bevorzugtes Konzept ist es nicht, aber die Montessori-KiTas in der Stadt haben keine Plätze die zu unserem Berechtigungsschein passen. Das wäre meine erste Wahl gewesen. Aber das geht erst wenn ich wieder arbeite und dafür das Kind später wieder rausreißen werden wir auch nicht.

Das Förderzentrum gibt es schon länger, als ich hier wohne und das sind bis auf ein Jahr in Hamburg immerhin schon 32 Jahre. Die Kinder die dort leben begegnen einem ständig und manchmal verirrt sich auch mal eins in unseren Garten, dann begleiten wir es wieder nach Hause. Meist kommt uns dann schon ein Betreuer entgegen.

Was wir generell bei den Kindern und Betreuern beobachtet haben, ist auch das, was uns zur Entscheidung für diese Krippe gebracht hat. Das Personal wechselt nicht ständig und der Umgang ist immer sehr persönlich und liebevoll.

Was wir persönlich in der Krippe erleben werden, kann natürlich nochmal ganz anders sein, aber rein vom Bauch her fühlt es sich richtig an, auch wenn es vielleicht anfangs holprig läuft, weil die KiTa neu startet.

Ich freue mich gerade sooooo sehr. Besonders fürs Hühnchen. Denn der werde ich schon ohne Baby schwer gerecht.

Und wieder ein paar Scheiben Salami

Informationen über Krippenplatzvergabe bekommt man hier von offizieller Seite ja quasi gar nicht, von anderen Stellen nur in kleinen Teilen.

Heute hatte ich Glück und gleich 3 Mütter aus 2 KiTa-Elternbeiräten waren beim Elterncafé der Kirche. Und so weiß ich jetzt, dass die Kita in der Straße erst die Plätze vergibt, wenn alle Berechtigungsscheine der angemeldeten Kinder angekommen sind. Ich hoffe sehr, dass die Kita-Leitung trotzdem eine Frist gesetzt hat und langsam mal in die Hufe kommt. Diese Ungewissheit nervt.

Während der sinnlosen Warterei habe ich noch einen Versuch unternommen, einen Berechtigungsschein für mehr als 4 Stunden zu bekommen, auch wenn mir es eigentlich widerstrebt, aber manchmal muss man halt doch versuchen sich ne Extrawurst braten zu lassen. Auch mit dem Wissen, wie die anderen Mütter im Ort bescheißen um an Betreuungsplätze zu kommen.

Leider ist das ganze aber so kurzfristig, dass auch nur Plätze in der neuen KiTa bleiben. Ob die wirklich zum 1. März startet, ist auch ungewiss, erst seit 6 Tagen suchen sie per Stellenanzeige Erzieher. Es sind aber wohl nur noch Lücken aufzufüllen, wie ich dann heute ebenfalls im Elterncafé erfahren habe.

Auch habe ich vom Elterncafé jetzt die Info, wo ich das Hühnchen auf die Warteliste für nachschulische Betreuung setzen lassen muss. Insgesamt gab es heute also viele Scheiben Salami, und es bleibt die Frage, ob man wirklich alles richtig macht um nicht am Ende in die Röhre zu gucken.