Von Winden verkräht

Nur kurz ein kleiner Zwischenbericht. Dass die Nächte kein Problem sind schreibe ich jetzt nicht, Herr Murphy könnte ja mitlesen.

Doof sind die Darmwinde, die hier mehrmals täglich für nervenschredderndes Geschrei sorgen. Inzwischen wissen wir aber, es hört auch wieder auf und wir versuchen einfach für schnellstmögliche Erleichterung zu sorgen.

Auch der Po ist eine Baustelle, wund ist er, erst von Tomaten, jetzt von wahrscheinlich Pfirsich. Das ist mal ganz schön doof am Stillen.

Na also

Als am Samstag die Hebamme da war, hat auch diese eine Zunahme feststellen können. Wir haben uns aus der Apotheke eine Waage ausgeliehen, weil ich kleiner Kontrollfreak bereits Freitag hibbelig war, ob das mit den Stillhütchen jetzt der bessere Weg ist.

Seitdem wir wiegen (einmal am Tag), verzeichnen wir hier jeden Tag ein Plus von je 30-70g. Die Waage geht dann wohl demnächst wieder zurück zur Apotheke.

Morgen ist dann meine Hebamme wieder im Dienst, ich freu mich schon.

Narf

Heute mal wieder ein Lebenszeichen hier, weil das zu lang für Twitter ist. Seitdem wir zu Hause sind, hatte ich den Einsatz der Stillhütchen auf anraten der Hebamme (bis Ende der Woche noch die Vertretung, super was Babypflege angeht) reduziert und auch einmal einen Tag ganz weggelassen.

Der Preis dafür war, dass das Anlegen z.T. zur Farce wurde, bis zu 10 Versuche bis das Frollein angedockt hatte. Dabei wurde viel Luft geschluckt, die dann böse Bauchschmerzen machte.

Stillhütchen benutzen wir, weil ich flache Warzen habe und die kleine ein verkürztes Zungenbändchen hat.

Gestern hat mich der Besuch der Hebamme dann komplett verunsichert. Das Gewicht steigt nicht, ich sollte ihrer Meinung nach zwischendrin abpumpen und das abgepumpte nachfüttern.

Das haben wir dann einmal gemacht, mit dem Ergebnis, dass fast alles wieder raus kam, als die Hebamme weg war. Gegen Abend waren wir alle so durch den Wind, dass nur noch Haut an Haut Beruhigung brachte. Bei mir liefen die Tränen, ich war sauer auf mich selber, dass ich mich so hab verunsichern lassen.

Es arbeitete in mir, das kann nicht der Weg sein, zunehmen und keine Bauchschmerzen ist wichtiger als weg von den Hütchen. Das kann man auch in 6 Wochen nochmal probieren. Der Mann teilte meine Ansicht.

Insgesamt fehlte mir, dass man zusammen guckt, wie stillen wir jetzt, was kann man ändern. Und jede Änderung dann wieder zu bewerten, bevor man die nächste Änderung in den Ring wirft.

Seit gestern also wieder mit Hut, seitdem wird hier im 45-90 Minutentakt ausgiebig (trinken, aufstoßen lassen, weiter trinken) gestillt und dann wieder 2-3 Stunden geschlafen. Das Kind ist viel ruhiger und wir auch. So erkenne ich dann auch viel besser, wann der nächste kleine Hunger kommt.

Ich hoffe dieser Weg zeigt dann Samstag auch auf der Waage einen Erfolg.

Tagebuch-5-Bloggerei

Heute gibt es die Tagebuch-Bloggerei mal als Special Edition im „To-be-continued“-Modus, weil ich nicht weiß, ob ich zu Hause dann noch zu nem Abschluss komme.

Gegen Mitternacht wache ich nach sehr kurzem Schlaf wieder auf, weil die Nachtdienst-Schwestern eher laut sind, die in der Nacht davor waren irgendwie leiser. Ich gehe nochmal auf Klo und lege mich wieder hin.

Kurz nach 2 beginnt es sich im Babybay neben mir zu regen, ich mache das Nachtlicht an und warte, dass Stine etwas wacher wird. Wir stillen eine Runde, sie wird gewickelt und schon ist es kurz nach 3.

Kaum habe ich sie frisch gewickelt wieder ins Babybay verfrachtet, schmatzt es von da schon wieder, ok, das heißt dann wohl Nachschlag.

Gegen 4 ist das Frollein zwar satt, aber alleine schlafen ist gerade total uncool, ich hole sie also an meine Seite und so schlummern wir bis um 6. ich nutze das zögerliche Aufwachen um was zu trinken und auf Klo zu gehen.

Um kurz vor halb 7 wird ausgiebig gestillt und zwischendrin gewickelt. Da das Frollein in Gesichtskasperlaune ist, gibt es schnell noch ein Bild.

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Ich ziehe mir Klamotten an hole mir Frühstück vom Buffet und fülle meine Wasserflasche am Wasserspender. Bereits auf dem Weg ins Zimmer wird klar, dass erst jemand sein 2. Frühstück bekommt, bevor ich meins bekomme.

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Währenddessen stellt sich die Schwester der Frühschicht vor und bringt mir das U-Heft und Vitamin-D-Tabletten. Danach gibt’s ne frische Windel für das Frollein und während ich dabei bin kommt die Schwester zum Blutdruckmessen usw. Die Schwester heute ist irgendwie ein wenig verpeilt, aber egal. Ich sage ihr nochmal, dass ich heute um 15:00 gehen will und so fällt ihr dann auch auf, dass sie ja noch was für die gynäkologisch Abschlussuntersuchung vorbereiten muss.

Viertel vor 9 gibt es dann auch Frühstück für mich. Als ich um halb 10 fertig bin, werden erstmal die wichtigen Dinge gemacht, auf Klo gehen, Stillhütchen auswaschen, Schmerztablette nehmen (das habe ich in der Nacht mal wieder vergessen).

Kurz vor 10 schneit eine Assistenzärztin rein und macht die gynäk. Abschlussuntersuchung. Ich werde untersucht und über Wochenfluss, die Narbe und alles mögliche „aufgeklärt“.

Gleich danach kommt jemand von der Patientenaufnahme wegen des Zimmer-Upgrades. Die Schwestern hatten das falsche Formular rausgegeben. Er füllt das richtige aus und ich unterschreibe. So wird mich das Einzelzimmer nur ~32€ die Nacht kosten und nicht wie auf dem anderen Formular angegeben 101€.

Kurz vor 12 wacht Stine langsam auf und es rappelt mächtig in der Windel. Also neue Windel und dann kommt auch schon der Hunger. Wir stillen gerade im Liegen, da kommt das Mittagessen und eine Ärztin, ich dachte zwar ich bin mit denen durch, Sage aber, dass ich in einer halben Stunde rüber komme.

Als hätte sie es verstanden legt sie eine extralange Stillrunde ein, und die Ärztin fragt ob ich sie vergessen hätte. Nein, das Kind hat heute Ausdauer. Als ich dann rüberkomme ist klar, das die Untersuchung schon erledigt wurde.

Ich packe schonmal alles soweit zusammen, damit ich fertig bin wenn der Mann kommt um uns nach Hause zu fahren. Das Frollein nimmt noch einen kurzen Snack, mir ganz recht. Die Schwestern sind hinterher, dass Zimmer schnell wieder zu belegen.

Der Mann lässt auf sich warten, auf dem Flur höre ich die Stimme der Yoga-Kurs-Hebamme und strecke meinen Kopf raus. Sie guckt kurz das Baby an und wir besprechen, dass der Starttermin vom Rückbildungs-Yoga auch der frühestmöglich nach Kaiserschnitt wäre, super, so muss ich nicht umplanen.

Gegen halb 4 kommt der Mann, ich stecke das Kind in die mitgebrachten Klamotten und ab geht’s nach Hause. Dort klären wie erstmal viel organisatorisches und der Mann fährt erstmal einkaufen während wir zwei Damen eine Runde auf dem Bett im Kinderzimmer stillen.

Beim Windelwechsel zwischen den Brustseiten gibt es eine Fontäne, super, Body nass also ganz aus, es soll ja eh nackicht gestillt werden, damit die junge Dame nicht immer so schnell wegpennt. Als ich Stine am Ende der Runde wieder anziehen will, scheppert’s in der Windel. Ok, also nochmal alles von vorne. Oben läuft die Milch raus, kein Wunder wenn man pro Seite ne halbe Stunde trinkt.

Am Ende ist das Kind aber soweit frisch verpackt, ich lege es ins Beistellbett und habe ein wenig Zeit das Babyphone auszupacken das am Wochenende kam und meine Post zu lesen.

Als der Mann wieder da ist muss dieser erstmal das Babyphone begutachten und ich ihn etwas scheuchen, damit wir zum Einkaufszentrum fahren. Dort geht’s zum Drogeriemarkt und zum Klamottenschweden, mehr stilltaugliche Oberteile kaufen. Gleich im Anschluss fahren wir zur Packstation, dort warten Multi-Mam-Kompressen, mehr Stillhütchen (habe nur eins vom Krankenhaus bekommen) und Unterhosen, denn mein Billig-Kauf aus dem Supermarkt hat zu harte Kanten und außerdem schwitzt man da arg und das genau bei der Kaiserschnitt-Narbe.

Zu Hause angekommen rufe ich zuerst die Vertretungs-Hebamme an (meine eigentliche hat 2 Wochen Urlaub, wer rechnet denn auch damit, dass da Kind genau am Stichtag kommt?) und schreibe hier die letzten 7 Stunden nieder während der Mann sich um die Wäsche und das Essen (Bagel mit Lachs, endlich) kümmert, Stine pennt derweil neben mir auf dem Sofa. Wie gut, dass man Bagels kalt isst, bald hat sie bestimmt Hunger.

So, noch eben den Rest hinzufügen. Gegen 20 Uhr essen wir und ich kann meine Bagel noch zu Ende essen bevor ich nach oben gehe um zu stillen.

Nach dem Stillen mache ich mich bettfertig, denn es ist inzwischen schon 22 Uhr.

Damit endet dann auch dieser 5. ein besonderer 5, der 5. Lebenstag unserer Tochter.

Fancy Nancy

Bis Sonntag abend hatte ich die Hoffnung die Nacht alleine im 3er Zimmer zu verbringen, aber gegen 20 Uhr wurde eine frisch per Kaiserschnitt entbundene reingerollt. Im folgenden Fancy Nancy genannt, so habe ich sie gestern betitelt, bzw. Ihre Sippe hieß dann die Flodders.

Meine Hoffnung auf ne ruhige Nacht war also dahin, ich wusste ja wie meine erste Nacht war, wobei ich nach der Nacht wusste, dass ich sehr rücksichtsvoll und selbständig war.

Gestern kamen bei den Flodders mehr als 10 verschiedene Leute zu Besuch, viele parfümiert, das ganze weniger als 24 Stunden nach dem Kaiserschnitt. Kind hatte gestern auch schon nen Schnuller im Mund, und Muttern klingelt ständig nach der Schwester weil es mit dem Anlegen nicht klappt und das Kind wenn es nach Ihr ging alle 2 Stunden gewickelt werden musste. Sie hat auch gleich Stillhütchen verlangt, worauf die Schwester gleich meinte, brauchen Sie nicht. Ganz generell hatte alle in der Familie Panik, dass Kind wird quasi innerhalb weniger Stunden verhungern, gut so sahen sie auch alle aus.

Katheter wollte sie auch unbedingt gezogen haben, ist dann aber erstmal 5 Stunden nicht aufgestanden. Bei mir war es genau andersrum, ich wollte unbedingt aufstehen und dazu musste der raus. Und mir wurde im Vorbereitungskurs eingetrichtert, geh häufig auf Klo, auch wenn Du nicht musst, am besten alle 1-2 Stunden. Fancy Nancy ist glaube bis ich das Zimmer gestern verlassen habe 2 mal gegangen.

Die Oma war samt der 4-jährigem Tante und dem Opa auch Dauergast, erst nimmt sie alles ab, um Fancy Nancy dann zum laufen auf dem Flur rauszuscheuchen. Zum Glück sind sie einmal mit 6 Leuten Besuch dann auch in die Caféteria abgedüst. Nur nicht mit Onkel Norman (der total krass korrekte Geschichten von der Baustelle mitgebracht hatte) und dem Vater, die hatte ich dann beim Stillen als Zuschauer, weil ich nicht ins Stillzimmer flüchten wollte.

Ihr Kind war entsprechend unruhig, hat die Station zusammengebrüllt und hat wohl meinen Milcheinschuss beschleunigt, der tat mir echt leid, der kann ja nichts für seine Sippe.

Da mittags jemand von der Patientenverwaltung da war und mich nochmal auf meinen 2-Bett-Zimmer-Anspruch über das babyfocus-Programm erinnert hat, ergab sich dann im Laufe des Nachmittages die Chance in ein frei werdendes Zimmer zu ziehen. So habe ich jetzt ein Einzelzimmer bis es morgen nach Hause geht. 2 mal 3 Stunden Schlaf hatte ich so letzte Nacht, ein Traum.

Jetzt kann ich auch über die Flodders lachen, gestern nachmittag war es eher zum Heulen, aber sowas muss man wohl mal mitgemacht haben, um was zu erzählen zu haben.

Punktlandung

Das wichtigste zuerst, pünktlich am Stichtag kam unsere Tochter um 17:10 zur Welt, technische Daten: 3100 g, 48cm, Kopfumfang 34,5cm und damit weit an allen Schätzungen vorbei.

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Nachdem die Frauenärztin am Freitag im Tastbefund nur unreif feststellen konnte, gingen wir alle davon aus, vor Montag passiert gar nichts.

Samstag erwachte ich um halb 6 von einer Wehe. Kurz auf Klo. Wieder hingelegt, 20 Minuten später das selbe Spiel. Also eine App gezückt und mitgestoppt. Keine Stunde später waren ich bei 6 Minuten Abständen und ging erstmal Duschen. Weniger wurde es nicht, mehr auch nicht.

Obwohl mir mehr nach bewegen war, setze ich mich aufs Sofa um einzuschätzen wie regelmäßig das jetzt wird und ob ich erst beim Kreißsaal anrufe oder wir direkt losfahren.

Alle 5 Minuten, und Intensität zunehmend brachte uns zum losfahren.

In der Klinik ging es erstmal ans CTG, schöne kräftige Wegen waren zu sehen, die Hebamme war wegen Unregelmäßigkeit skeptisch und so hieß es warten auf den Arzt. Da sah ich uns schon wieder nach Hause fahren.

Die Ärztin war selbst überrascht, Muttermund bei 4 cm, ich darf mir einen Kreißsaal aussuchen. Das war dann so gegen halb 12. Wir landeten im beliebtesten, der gerade frei geworden war. Mir war nur wichtig, dass es ein großer ist.

Ich wehte so vor mich hin und gegen 13 Uhr war der Zwischenstand 7 cm. Ein wenig geturne später sprang dann auch die Blase. Soweit alles gut bis bilderbuchmäßig. Nur der Kopf hing noch recht weit oben.

Leider bewegte sich dann kaum noch was, eine Seite des Muttermundes gab nicht nach, das Köpfchen kam nicht runter um Druck zu erzeugen und es blutete stärker als es sollte.

Eine PDA war der letzte Versuch nochmal Schwung reinzubringen, aber auch das wollte nicht gelingen. Um kurz vor 4 dann die Entscheidung, Kaiserschnitt. Zum Glück lag die PDA schon und wurde nur hochgespritzt.

Das ganze war so surreal und ich so unglaublich ruhig. Ab da verging die Zeit gefühlt gar nicht. Im OP selber bekam ich zwar alles mit, aber gefühlt redete keiner mit mir. Erst als wir nach dem Namen gefragt wurden. Dann ewiges Warten bis ich die kleine sehen konnte, fertig genäht war und dann endlose Minuten im Aufwachraum bis endlich der Mann kam und das Kind mitbrachte.

Danach ging es auf Station, später dann mehr über Krankenhausnächte, Alptraum-Bettnachbarinnen usw.